Der Druckspiegel | 10/2011
Die Druckprojekt-»Optimierer«
Immer die "richtige" Druckerei für das jeweilige Produkt zum optimalen Preis zu finden, scheint schlichtweg unmöglich. Eine Leipziger Firma will mit strategischem Printbuying ihren Kunden genau das bieten und ihnen Zeit und Geld sparen helfen.
"Einkäufer von Drucksachen kooperieren in der Regel mit drei bis fünf von rd. 10 000 Druckereien", erklärt Denis Schmidt, der seit über zehn Jahren als Medienproduktioner arbeitet. Daher wären Kunden prinzipiell nicht immer imstande, für jedes Druckprojekt den wirklich geeigneten Partner zu finden. "Print-Einkäufe sind ein arbeitsintensiver Prozess mit hohem Zeitaufwand, bei dem man nie sicher sein kann, zu optimalen Konditionen mit hoher Qualität und Liefersicherheit eingekauft zu haben", sagt Schmidt.
Diese Tatsache brachte ihn mit der Gründung der Druck und Werte GmbH im Jahr 2008 auf die Idee, Unternehmen vor der Vergabe von Druckaufträgen einen detaillierten, verständlichen Kostenabgleich zu ermöglichen. Sukzessive wurde nicht nur ein umfassender Anbieterpool aufgebaut, sondern unter der Bezeichnung ZMÜK auch eine eigene Software entwickelt (der Name bezieht sich als Kunstwort auf den CMYKVierfarb-Druckprozess). Hierbei handelt es sich um eine Web-basierte Technologie für die Steuerung, Kalkulation und Vergabe von Druckaufträgen, kurzum: Diese einfach bedienbare Printbuying-Lösung im Internet verbindet Warenwirtschaftssystem, limitierte Angebotsausschreibung und Web-toPrint-Bestellsystem miteinander.
Outsourcing des Print-Einkaufs
"Derzeit befinden sich 250 Druckereien in unserem Anbieterpool", erzählt der geschäftsführende Gesellschafter. Davon würden 95% ihren Sitz in Deutschland haben. Bezüglich unterschiedlicher Druckprodukte wie Aufkleber, Broschuren, Displays, Faltschachteln oder Zeitungen wäre auf diese Weise eine ausreichende Auswahl vorhanden: „Dadurch sind zwischen zehn und 20 für Anfragen zu einem Druckprodukt relevant.“ Jedoch solle die Anzahl der Druckereien im ZMÜK nicht weiter wachsen, damit die Software hinsichtlich der Datenlogistik immer noch beherrschbar bleibt.
„Sowohl unsere Kunden als auch wir selbst beurteilen das Leistungsvermögen der Anbieter im ZMÜK-eigenen OnlineRanking, sodass einzelne Druckereien bei weniger positiven Einschätzungen auch gegen Wettbewerber ausgetauscht werden können“, erläutert Schmidt. Grundsätzlich versteht sich die Firma aber nicht als weiterer Web-to-Print-Anbieter und ebenso wenig als Vermittlungsagentur für Druckaufträge. Eigenem Bekunden zufolge ist Druck und Werte ein qualifizierter, strategischer Printbuying-Partner. „Deshalb sehen wir uns als externe Consulting- und Vertriebsabteilung der Druckereien, die über ZMÜK von einer verbesserten Auslastung ihrer Kapazitäten profitieren können“, stellt Schmidt klar. Komplettes Outsourcing des Drucksacheneinkaufs wäre für die Printbuyer sinnvoll, weil es vorwiegend Zeitgewinn und geringere Ausgaben bedeutet.
„Ungefähr 60 % der über uns transferierten Druckaufträge sind eher standardisierte Projekte- dafür sind 40 % sehr detailliert, konkret und bezüglich der Kundenbedürfnisse individuell.“ Ziemlich einfach funktioniert der Workflow: Kunden melden über das Formular des lnternetportals, welche Drucksachen sie produzieren lassen wollen - und die ZMÜK-Software findet den geeigneten Partner. Abhängig von Komplexität und Umfang des Projektes, können von der Anfrage des Kunden bis zur Ausgabe der Angebote zwischen wenigen Minuten und auch mal drei Tagen vergehen. Je nach Wunsch des Kunden gibt die Software eine einzige „ultimative“ Offerte oder bis zu 15 Angebote zum Vergleich aus. Nach Angaben der Leipziger können Printbuyer durch Nutzung dieser Lösung zwischen 20 und 40 % des üblichen Organisationsaufwandes sparen. Gemäß Berechnungen wäre dieses Einsparpotenzial ab fünfstelligen Ausgaben für Druckaufträge zu spüren, würde aber ab Volumen von 100 000 Euro pro Jahr beim Printbuyer richtige Einsparungen erlauben. „Unsere Stärke erwächst aus einem kleinen, professionellen Team, das vorrangig hohe Volumen abwickelt“, sagt Schmidt.
Beratung in der Nähe der Kunden
Innerhalb von nur drei Jahren ist die Firma von zwei Enthusiasten auf momentan 19 Mitarbeiter gewachsen. Vorrangig besteht das junge Team aus spezialisierten Druck- und Medientechnikern, Verlagsherstellern sowie IT-Programmierern zwischen 25 und 40 Jahren. Druck und Werte arbeitet zudem mit der Fakultät Medien der Leipziger Technologie-Fachhochschule HTWK zusammen. Indessen kann die Firma auf mehr als 200 Kunden verweisen. die u. a. aus dem Medizin-, Lifestyle- und Wellness-Bereich, den Entertainment-Branchen sowie aus Kommunikations- und Werbeagenturen stammen. Das Geschäftskonzept der Leipziger basiert auf drei Säulen: der ZMÜKSoftware, dem Anbieterpool und Beratern vor Ort. Damit eine detaillierte Beratung in direkter Kundennähe gewährleistet werden kann, gibt es Regionalbüros in Berlin, Dresden, Hamburg, Köln und München. Finanziert wird die Idee vom Technologie-Gründerfonds Sachsen. „Derzeit erwirtschaften wir pro Jahr mittlere siebenstellige Umsätze“, erläutert Schmidt.
Nunmehr möchte die Firma ihr Geschäftsmodell, das bereits ein erweitertes Ausschreibungs-Tool ist, zu einer „Software as a Service“-Lösung mit professioneller Beratungskompetenz ausbauen. Immerhin würden die Kunden erwarten, dass ZMÜK genügend Optionen offenbart, um ihre unterschiedlichen Anforderungen zu erfüllen. Deshalb werde das Team die Software um „intelligente“ Module ergänzen, mit denen Kriterien wie Ranking-Werte, Preisgefüge oder auch Marktplatzfunktion berücksichtigt werden, um direkt auf die Kunden zugeschnittene Angebote unterbreiten zu können. Damit wolle die Firma ganzheitliche Print-Kommunikation leisten. Positive Impulse hat es bereits gegeben: Druck und Werte ist mit dem Geschäftskonzept bei der erneut ausgelobten Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ einer der 365 Preisträger geworden.
Web-Anwendung ausgezeichnet
Die Druck und Werte GmbH kann ihr „Effizientes Printmanagement“ als „Ausgewählten Ort 2011“ feiern. Das Leipziger Unternehmen hat eine intelligente Druckeinkaufs-Technologie entwickelt, um kleinen und mittelständischen Unternehmen eine einfache und günstige Hilfestellung bei ihren Druckaufträgen zu bieten. Neben der browserbasierten Software erhalten Kunden durch wenige Klicks Zugriff auf rd. 250 zertifizierte Lieferanten und auf ein qualifiziertes Beraterteam. Für die Kunden entfällt die langwierige Suche nach dem besten Angebot und druckintensive Unternehmen gewinnen an Effizienz.
Das ausgezeichnete Projekt ist einer der Preisträger im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“, der von der Standortinitiative „Deutschland - Land der Ideen“ in Kooperation mit der Deutschen Bank realisiert wird. Unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten prämiert der Wettbewerb seit 2006 Ideen und Projekte, die einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit Deutschlands leisten. Das binnen knapp drei Jahren auf 19 Mitarbeiter gewachsene Start-up-Unternehmen versteht sich als strategischer Printbuying-Partner, der mithilfe einer Online-Lösung sowohl den Einkäufern von Druckprodukten als auch den Druckdienstleistern selbst Vorteile bieten möchte. Das Geschäftskonzept der Leipziger basiert auf drei Säulen: der Software, dem Anbieterpool und Beratern vor Ort. Interessenten melden über ein lnternetportal, welche Drucksachen sie produzieren lassen wollen, und die Software findet den geeigneten Dienstleister. Außerdem realisiert das Unternehmen mit eigenen Beratern von Leipzig und fünf Regionalbüros in Deutschland aus indirekte Consulting und Marketingtätigkeit zugunsten der beteiligten Druckereien. Printbuyer dürften durch Nutzung dieser Lösung bis zu 40 % des Organisationsaufwandes sparen, was sich spätestens bei Druckauftragsvolumina ab 100000 Euro / Jahr deutlich auszahlen würde. Die Druck und Werte GmbH will das Geschäftsmodell zu einer „Software as a Service“-Lösung ausbauen und hofft darauf, dass mehr Printbuyer mit dem Outsourcing ihres Drucksacheneinkaufs auf die Online Lösung setzen.
Frank Baier | Der Druckspiegel | 10/2011
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